Leseprobe 3×4 Pfötchen und das Netz der weißen Spinne

Auszug aus dem Kapitel „Nando und „Bello Italiano“
„Autsch!!!“ Kaily schüttelte empört ihren Kopf, so dass ihre langen, goldenen Haare nur so flogen und die rote Schleife hin und her wippte. Sie streckte ihre kleine, schwarze Knopfnase
beleidigt in die Luft und würdigte ihr Gegenüber keines Blickes. Nando – sein Vater war ein richtiger Windhund, seine Mutter eine schöne Dalmatinerdame – beugte seinen Kopf ganz tief herunter. Treuherzig blickte er dem hübschen, kleinen Yorkshire-Terrier-Mädchen in die Augen. „Och, piccolina, sei nicht beleidigt. Ich habe doch nur ein bisschen an deinem süßen Mauseohr geknabbert.“ Kaily machte ganz schmale, wütend funkelnde Katzenaugen und giftete: „Geknabbert? Hallo …? Wenn du mit deinen großen Zähnen knabberst, fühlt es sich an, als wolltest du mir das Ohr abbeißen. Außerdem hast du meine Frisur durcheinander gebracht. Wenn Mariella das sieht, wird sie mich wieder stundenlang kämmen. Siehst du, da kommt sie
schon.“ Nando hatte das Mädchen schon entdeckt und rannte ihr freudig entgegen, während Kaily mit zierlichen, eleganten Schritten, wie eine Ballerina auf vier Pfoten, hinter ihm her trippelte. „Ciao, Nando, amico mio“, freute sich Mariella, die mal wieder, zusammen mit ihren Eltern und ihren drei Hunden, in dem hübschen Häuschen am Comer See Urlaub machte.

Auszug aus dem Kapitel „Eine merkwürdige Begegnung“:
Am Fähranleger in Varenna standen bereits mehrere Autos in zwei Warteschlangen. „Na, hoffentlich ist die Fähre groß genug, um alle Wagen mitzunehmen“. Rolf Graf sah besorgt
auf seine Armbanduhr. „Die nächste Fähre geht eine Viertelstunde später. Das ist immer noch früh genug“, beruhigte ihn Frau Graf. In diesem Moment trat ihr Mann heftig auf die Bremse. Der Fahrer einer großen, protzigen Limousine, an deren Motorhaube die goldenen Buchstaben „CD“ prangten, versuchte sich in die kleine Lücke zwischen dem Auto der Grafs und deren Vordermann zu schieben. „Das hat der sich so gedacht“, sagte Mariellas Vater und ließ sein Auto millimeterweise vorrollen. Schließlich setzte die Limousine zurück und reihte sich hinter ihnen als letztes Auto in die Warteschlange ein. „Warum nicht gleich so?“, brummte Herr Graf. „Habt ihr die merkwürdigen Leute in dem Auto gesehen?“, fragte Mariella. „Die
Frau auf dem Rücksitz trägt eine Pelzstola mitten im Juni und die Sonnenbrille des Chauffeurs hat Spiegelgläser.“ „Kleines, jeder kann sich so kleiden, wie er möchte. Das geht uns nichts an.“ Die Stimme von Mariellas Mutter hatte einen leicht tadelnden Unterton. Herr Graf schmunzelte und sagte: „Also, ich finde auch, dass der Chauffeur wie ein Mafioso aussieht.“
Mariella beugte sich zu der Hundebox hinunter und flüsterte: „Ich weiß zwar nicht genau, was ein Mafioso ist – aber er sieht merkwürdig aus.“ Laut sagte sie: „Ich glaube, die hatten auch ’nen Hund dabei.“ „Ach herrje“, seufzte Olivia. „Ein Mafia-Hund! Und direkt hinter uns in der Warteschlange! Das hat uns gerade noch gefehlt.“ „Das wissen wir doch noch gar nicht genau“, brummelte Barny, der noch ein kleines Nickerchen gemacht hatte. „Außerdem, was soll schon passieren, solange ich bei euch bin.“ Er reckte und streckte sich ausgiebig.

Auszug aus dem Kapitel „Das Netz der weißen Spinne“:
Barny robbte bereits wie ein Indianer auf den Höhlenausgang zu. Nach ein paar Biegungen wurde es etwas heller, und man konnte nach draußen sehen. Barny erschrak. In einiger Entfernung sah er Carlotta Dubiosa und Giovanni Grasso. Sie gingen genau auf die Höhle zu. So schnell er konnte, rannte Barny zurück. „Versteckt euch, sie kommen!“ rief er schon von weitem. „Aber ’ier ist weit und breit kein Versteck. Oh, Kaily, sie werden uns finden. Sie werden uns erst elendig ver’ungern lassen und dann ausstopfen“, schluchzte Lulu verzweifelt.
„Heult nicht, kommt mit“, Nando drängte die beiden ziemlich burschikos auf den linken Höhlengang zu, vor den Signora Tarantulla ihr kunstvolles Netz gesponnen hatte.
„Schnell, legt euch hin und versucht unter dem Spinnennetz hindurchzukriechen.Vielleicht bleibt es ganz.“ Kaily und Lulu schafften es, ohne dass die Spinnenfäden an ihrem Fell kleben
blieben. Aber Nando war zu groß. Er riss ein gehöriges Loch in das Spinnennetz. Die dicke, weiße Spinne hatte dem Treiben misstrauisch zugesehen. Jetzt raste sie mit ihrem bösartigen Zischen heran. Doch bevor sie losschimpfen konnte, legte Nando ganz viel Charme in seine Stimme und bat: „Signora Tarantulla, es geht um Leben und Tod. Sie sind die beste und schnellste Spinnerin, die ich kenne. Prego, sie müssen das Netz in Sekundenschnelle reparieren. Sonst sind wir verloren.“ Er schaute sich nach Barny um. „Avanti, ragazzo, mach schnell!“ Barny schüttelte den Kopf. „Pass du auf die Mädchen auf. Ich werde die Ganoven ablenken.“

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